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Morgen beginnt die Hirschjagd

Diese Zeilen schreibe ich am 31. Juli 2019. Auch wenn ich im Augenblick nicht jage, sind solche Daten wie der 1 August natürlich fest in den Genen verankert. Es ist mir zwar bewusst, dass die Behörden die Rotwildjagd heute schon früher erlauben, doch käme es mir nie in den Sinn, Rotwild vor dem 1. August zu jagen. Ein guter Jäger kriegt sein Rotwild auch noch nach dem 1. August.

Oben am Feldrand, in der Verlängerung der Kanzel am Weg stand die alte Eiche mit der hohen Kanzel.

Ich wünsche allen, die sich in den nächsten Tagen und Wochen auf Rotwild ansetzen, Weidmannsheil. Es ist schon eine besondere Jagd.

Gerade eben hat unser Briefträger den neuesten Hessenjäger in den Postkasten geworfen. Das war gerade die passende Lektüre für die Mittagszeit im Gartenstuhl. Hängengeblieben bin ich beim Bericht über die Landestrophäenschau in Reinheim. Die Trophäe, die dort die Goldmedaille holte, ist mit 8,7 kg gerade mal ein gutes Kilo schwerer als mein Hirsch, den ich 1981 in meinem ersten eigenen Revier erlegen konnte. Die Form des Geweihs ist fast gleich. Nur die Stangen sind minimal stärker und die Farbe der Trophäe ist ein wenig rötlicher, als die des Hirsches, der an meinem Kamin hängt.

Meine ersten jagdlichen Schritte machte ich in einem anderen Rotwildrevier unserer Gemeinde. Es lag höher, hatte weniger Wald, dafür einen großen Feldbereich im Zentrum von 3 Hochwildrevieren. Es war das Revier von Freunden.

Früher einmal war es das Revier vom ‚alten Leitz‘, ja von dem mit den Ferngläsern. Die halbe Region arbeitete bei ihm. Kein Jäger ohne ein Glas von Leitz oder ohne das Hensoldt-Dialyt, heute Zeiss. Alle Kinder im Dorf kannten ihn. Er hatte die Ausrüstung für den Physiksaal unserer Schule gesponsert. Sein Bild hing deshalb gut sichtbar für alle über der Tafel. Der hatte, dort, wo ich am liebsten ansaß, ganz nahe an der heutigen B 456 seine Jagdhütte stehen.

Am späten Abend, mit beginnender Nacht, zog dort das Rotwild in die Felder des Reviers. An Jagd war nur zu denken, wenn absolut gutes Licht herrschte oder wenn sich Rotwild morgens im Feld vertrödelte.

Mein liebster Platz in diesem Revier war die Birnbaumleiter. Ich weiß nicht, wer sich die ausgedacht hat und wer die gebaut hat. Als ich das erste Mal aufsteigen wollte, kam ich gar nicht auf den Sitz. Um auf den Sitz zu kommen, musste man innen aufsteigen. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Nur in diesem Fall war die Leiter zur falschen Seite geneigt. Man musste überhängend aufsteigen. Das war zwar beschwerlich, hatte aber den Vorteil, dass außer mir niemand die Leiter bestieg.. Der Aufstieg war schon eine Herausforderung. Oben auf dem Brett sitzend, sah man runter ins Leere. Weil ich dazu neige, schon mal einzunicken, habe ich oben meinen Gürtel gelöst und mich mit meinem Gürtel hinten an der Stange festgeschnallt.

All die Mühe war es aber wert, auf dieser Leiter ansitzen zu können. Ich konnte in dieser Zeit unvorstellbar viel Rotwild sehen. Meist nur als nächtliche Schatten, ab und zu aber auch verbummelt im ersten Morgengrauen. Erlegt habe ich kein Stück. Ich hatte damals noch kein Rotwild frei. Es hat mir aber auch nicht gefehlt. Ich konnte so viele Anblicke und Erfahrungen sammeln, dass ich gar nicht den Wunsch hatte, ein Stück zu erlegen. Dafür habe ich von der Birnbaumleiter mein erstes Stück Schwarzwild erlegt. Das war aber kein Ruhmesblatt. Davon erzähle ich später.

Hirsche im Revier

Als ich 1981 mein erstes Revier pachtete, hatte ich, ohne es wirklich zu wissen, die Hälfte eines ganz hervorragenden Hirschreviers gepachtet. Meine Hälfte des Reviers war, das wusste ich nicht und konnte es auf Grund meiner bisherigen Erfahrungen auch nicht vorstellen, ein bevorzugter Einstand für Feisthirsche.

Einer der spannendsten Sitze im Revier, war die Hohe Eiche. Der Baum stand genau an der Grenze zwischen Wald und Feld. Zur einen Seite konnte man in eine weite Blöße zwischen kleinen Dickungen schauen, zur anderen Seite blickte man aufs Feld.

Dieser Sitz entwickelte sich schon 3 Monate nach Pachtbeginn zu meinem Lieblingssitz. Als ich im Juli 1980 oben im Sitz auf der hohen Eiche saß, wollte ich meinen Augen nicht trauen. Fast pünktlich um 8 Uhr abends trat ein ganzes Rudel Basthirsche aus den angrenzenden kleinen Dickungen. Es ware an die 15 Hirsche. Kaum kleine. Sie ästen auf der Blöße zwischen den Dickungen, um eine Stunde später mit abnehmendem Licht in die Felder zu treten. Dieses Schauspiel wiederholte sich täglich zur gleichen Zeit. Etliche Male begleitete mich meine Frau auf die hohe Eiche. Es war begeisternd, den Hirschen zuzusehen, wie sie die Ebereschen-Trauben von den Zweigen streiften und wie sie anfingen, ihre Bastgeweihe an den Sträuchern zu fegen. Meine Frau und ich saßen derweil weit oben im Baum und warteten mit dem Abbaumen darauf, bis sich die Hirsche weit hinaus ins Feld geäst hatten.

Diese Vorsicht hatte ich aus meinen klugen Büchern gelernt: Benutze möglichst Kanzeln an begangenen Wegen und verlasse den Ansitz nie, wenn Wild dich dabei beobachten kann.

Ich war von diesen abendlichen Anblicken so begeistert, dass ich diese Hirsch-Idylle nicht stören wollte. Ich war sicher, meinen ersten Hirsch noch im Herbst erlegen zu können. Doch da hatte ich mich getäuscht. Ich kannte das Revier noch nicht. Ab Mitte August wurden die Hirsche heimlich, Ende August waren sie fort. Mit Beginn der Brunft Mitte September konnte ich sie jenseits der Reviergrenzen verhören.

Es sollte noch ein Jahr dauern, bis ich meinen ersten Hirsch erlegen konnte. Es sollte ein spannendes und lehrreiches Jahr werden.

Feldjagd

Jägeraugen können wohl nicht anders, als Natur und Landschaft ständig auf Spuren und Zeichen von Jagd und Wild abzuscannen. Als ich heute Morgen mit meinem Hund eine kleine Runde durchs ‚Neue Feld‘ ging, blieben meine Augen beim Blick übers Feld sofort auf den dunklen Streifen im Getreide hängen. Dunkle Streifen im Feld sind ein klares Indiz für Sauen im Getreide. Hier verlaufen die Wechsel so dicht, dass man einen Sack aufstellen könnte, um die Sauen einzufangen.

Der Pächter in dem heimischen Revier ist ein aufmerksamer Mann. Die Anwesenheit der Sauen ist ihm nicht verborgen geblieben. Das beweist der mobile Sitz, der zwischen den Schlägen steht und auf die wechselnden Sauen ausgerichtet ist.

Sieht man genauer hin, sieht man auch zwei weitere Sitze oben am Feldrand und einen unten in der Senke am Baum.

So wie das Stück Feld kenne, verbringen die Sauen die Nacht rechts vom Baum unten in einer Hangdickung, an der ein kleiner Bach entspringt. Um den Quellbereich suhlen die Sauen. Sie werden den Tag bei den derzeitigen extremen Temperaturen weder im Feld noch in den Hecken auf der Höhe verbringen.

Am späten Abend werden die Sauen ins Feld auswechseln. Von rechts kommend über die Wiese ins Rapsfeld. Im Raps werden sie verweilen und sichern. Da könnte sich eine Möglichkeit für einen Schuss von der Leiter am mittleren Weg ergeben. Dann werden sie ins über den Weg ins darüber liegend Rapsfeld stürmen, um sich schließlich in dem großen Getreideschlag oben zu verteilen.

Auf ihrem Wechsel ins Getreidefeld wird man nur einen Schuss anbringen können, wenn die Sauen auf ihrem Weg verhoffen. Die Wahrscheinlichkeit, ein Stück zu erlegen ist im oberen Feld am günstigsten, weil sich die Sauen draußen im Feld sicher fühlen und verteilen. Da ist es nicht allzu schwer, einen unvorsichtigen Überläufer zu erlegen.

Die Kamera ist immer dabei

Ich führe meine Kamera nach Möglichkeit immer mit. Es ist eine kleine Digital-Kamera mit 20-fachem Zoom. Sie ist wie ein Notizbuch. Sie hat mir auch in der Zeit, in der ich noch aktiv im eigenen Revier jagte, immer gute Dienste getan Mit ihr und dem starken Zoom konnte ich Spuren und Wechsel und vor allem Schadstellen im Feld aus größerer Entfernung zu erfassen. Das hat mir manchen Weg erspart und manche jagdliche Möglichkeit eröffnet.

Eine Foto aus der Ferne …

…zeigt die Schadstellen und Wechsel im Getreide. Danach lässt sich der perfekte Ansitzplatz aussuchen oder festlegen.

Wenn weder Hochsitz noch mobile Leiter verfügbar sind, tut es auch ein Gartenstuhl aus Plastik. Er ist leicht, geräuschlos und komfortabler als ein Jagdstuhl. Wenn man den Gartenstuhl mit Rücksicht auf den Wind ein wenig seitab von den Schadstellen platziert, kann die Jagd auf Sauen nicht spannender sein. Das Fernglas kann bei dieser Jagd im Auto bleiben. Angesprochen wird auf die kurze Distanz nur mit dem Auge und dem weit gestellten Zielfernrohr. Ein biegsamer Weidezaunpfosten kann dabei eine perfekte Zielhilfe sein. Ich konnte auf diese Weise nicht nur einen Schwarzkittel erlegen.

Wolfgang Heller, 23. Juli 2019

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